ProHolz2016012 w2Zum Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe mit dem Titel „FOKUS Holzbau“ lud proHolz Salzburg am 28. Jänner in Kooperation mit der Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten für Salzburg und Oberösterreich zum Thema „mehrgeschossiger Wohnbau“. Rund 130 Teilnehmer aus Politik, Architektur-Szene, Bauträger, Holzbau-Unternehmer und Studenten folgten den Vorträgen der hochkarätigen Referenten und sorgten für spannende Diskussionen. Holz fristet derzeit im Gegensatz zu allen anderen Holzbau-Segmenten im mehrgeschossigen Wohnbau noch ein Nischendasein. Die aktuellen Tendenzen sind positiv, allerdings regional sehr unterschiedlich.

DI Hermann Blumer, bekannter Holzbaupionier aus der Schweiz, gab als erster Vortragender einen spannenden Einblick in die Entwicklung von Ingenieur-Holzbauten rund um die Welt. Unter dem Titel „Leidenschaftlich auf den Holzweg“ zeigte er, dass aus Sicht des Ingenieurs beinahe nichts unmöglich ist und belegte dies mit eindrucksvollen Beispielen aus seiner mehr als 40-jährigen Arbeit. Über anfängliche Schwierigkeiten bei Verbindungen der Holzwerkstoffe bis hin zu neuen Fertigungstechnologien hat der ingenieurmäßige Holzbau eine großartige Entwicklung erlebt. Holz ist dadurch mehr als konkurrenzfähig geworden. Der Schweizer Unternehmer ist für herausragende Holzbau-Projekte rund um die Welt bekannt. „Meine Leidenschaft für den Werkstoff Holz ist ungebrochen. Die Möglichkeiten damit zu arbeiten sind fast unendlich. Meine größte Freude ist es, dass Stararchitekten und namhafte Bauherren immer öfter explizit Holzbauten verlangen,“ so Blumer.

Holz im mehrgeschossigen Wohnbau

Architekt Dipl.-Des. Tom Kaden, Kaden + Lager Berlin, setzt mit seinem Architekturbüro schon seit mehreren Jahren erfolgreich auf den Baustoff Holz. In seinem Vortrag „Mehrgeschossiger Holzbau in Deutschland“ präsentierte Kaden Bauvorhaben aus Berlin und Leipzig. Eine durchdachte Planung sowie die Kombination mit anderen Baustoffen machen seine Projekte bei Bauherren mittlerweile häufig zur ersten Wahl. „Holz im mehrgeschossigen Wohnbau wird auch in Deutschland noch immer unterschätzt. Bei richtiger Planung kann ein Bauvorhaben sogar kostengünstiger als mit herkömmlichen mineralischen Baustoffen errichtet werden. Unser Vorteil im Holz- und Holz-Hybridbau ist es, statisch klare und einfache, modulare Bausysteme zu entwickeln, die aber gleichzeitig noch ein hohes Maß an gestalterischer Freiheit für Architektur und Nutzeranforderungen lassen. Zusätzlich punkten wir mit schneller Errichtung sowie weniger Lärm und Staub für die Anwohner “, so Arch. Kaden.

„Holzverwendung und dabei insbesondere der Holzbau kommen in ein neues Zeitalter. In Wien steht das größte Gebäude in Holzbauweise vor seiner Errichtung, in Hamburg, Berlin oder London prägen bereits zahlreiche mehrgeschossige Holzbauten Teile des Stadtbilds. Auch in Graz steht der mehrgeschossige Wohnbau aus Holz auf der Agenda. Wir besitzen in Salzburg das Know-how, um international ebenfalls Ausrufezeichen zu setzten, “ zeigte sich Ök.-Rat Rudolf Rosenstatter, Obmann von proHolz Salzburg, überzeugt.

Holzbau und Kosten

Mit dem gängigen Vorurteil höherer Kosten im Holzbau beschäftigte sich DI Jörg Koppelhuber von der TU Graz. Beim Forschungsprojekt „Kosten im mehrgeschossigen Wohnbau“ wurden zwei Bauvorhaben, ein drei-geschossiger und ein acht-geschossiger Wohnbau, hinsichtlich der Herstellungskosten mit Holzbauweise vs. mineralischer Bau miteinander verglichen. Berechnet wurden hierbei die Kosten der Konstruktion ohne Ausbau. Das Ergebnis dieser Forschungsarbeit war eindeutig. Die Kosten der Konstruktion eines Bauwerks in Holzbauweise liegen demnach durchschnittlich rund sechs Prozent höher als bei einer herkömmlichen mineralischen Bauweise. Diese leicht höheren Kosten sind jedoch nur auf die Konstruktion zu beziehen, nicht aber auf die gesamte Bausumme. „Betrachtet man zusätzliche Faktoren, so kommt man hier schnell auf ganz andere Ergebnisse. Durch die schlankere Bauweise entsteht mit einer Holzkonstruktion bei gleicher Außenwandabmessung mehr Nutzfläche. Bewertet man nun die zusätzlichen Verkaufserlöse bzw. Mieteinnahmen der größeren Nutzfläche, so sind die Mehrkosten der Grundkonstruktion bereits kompensiert,“ erläuterte Koppelhuber. Holz ist so gerade im mehrgeschossigen Wohnbau mehr als konkurrenzfähig, da bei gleicher verbauter Grundfläche mehr Wohnraum zur Verfügung gestellt werden kann.

Alle Vorträge sowie eine Zusammenfassung der Ergebnisse des Forschungsprojektes „Bewertungskriterien und deren Auswirkungen in der Kalkulation von mehrgeschossigen Holzwohnbauten“ finden Sie unter: http://www.proholz-salzburg.at/

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Fotonachweis: Franz Neumayr

Text: DI (FH) Matthias Jessner (für Rückfragen: 06244 / 30 0 20 – 24)

 

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